Rückschau des Pfarrgemeinderates von St. Josef, Dresden-Pieschen über die Jahre 2002 – 2006
Nach der Ordnung des Bistums für die Pfarrgemeinderäte trägt der PGR
Mitverantwortung für alle pastoralen Aufgaben, die gemeinsame Beratung
und gemeinsames Handeln erfordern. Dazu soll er die Wünsche und
Anregungen der Pfarrgemeinde entgegennehmen.
Aktivitäten und Probleme, die sich nach den Aufgabenbereichen und Grundsätzen der Arbeit des PGR ergeben:
1. Gestaltung und Zeiten der Gottesdienste, Abstimmung mit den Nachbargemeinden und Verkündigungsdienst
Zur Gemeinde gehören die Kleingemeinde Radeburg und die
Außenstation Schlosskapelle Moritzburg. In der vorhergegangenen
Legislaturperiode hatte unsere Gemeindeleitung mit der Pfarrei St.
Martin in Dresden-Neustadt erfolgreich Veränderungen der
Gottesdienstzeiten am Sonntag vereinbart, damit auch bei Ausfall eines
der beiden Seelsorger der Gottesdienst an beiden Stellen gesichert
ist. So konnte auch der Gottesdienst als Eucharistiefeier in Moritzburg
zum großen Teil gesichert werden. Mit der Angliederung der Gemeinde in
Klotzsche ist diese Regelung nicht mehr praktizierbar, da an drei der
fünf Stellen um 9.00 Uhr ein Gottesdienst stattfindet, aber nur zwei
Priester zur Verfügung stehen. Es ist auch nicht vertretbar, in
Moritzburg nur noch Wort-Gottes-Feiern vorzusehen. Der Ratschlag, die
Gottesdienste in der Kleingemeinde Radeburg einzuschränken oder diese
Stelle ganz zu schließen, kann nicht verantwortet werden, da es sich um
eine funktionierende Kleingemeinde handelt (wovon sich Herr Bischof
selbst überzeugt hat), Moritzburg aber ohne eine solche Gemeinde eher
ein Prestigeobjekt ist. Dieses Problem kann unsere Gemeinde und ihre
Leitung nicht allein lösen, was uns belastet!
Die gemeinsame Planung der Gottesdienste mit der Gemeinde St.
Martin und der zum Teil wechselseitige Priestereinsatz hat zu einer
größeren Sicherheit bei der Realisierung geführt. Einige gemeinsame
thematische Predigten am Anfang des Kalenderjahres bereichern das
Gedankengut. Die PGR beider Gemeinden haben seit Jahren eine gemeinsame
Klausurtagung zu Jahresbeginn außerhalb der Gemeinden und stimmen da
die seelsorgliche Arbeit und die Gemeindearbeit inhaltlich und
terminlich ab. So wird auch seit Jahren in der Fastenzeit ein
gemeinsamer Kreuzweg mit Stationen in verschiedenen Gegenden der
Gemeindebereiche gegangen und meditierend gebetet.
Ein weiteres Problem ist die Heilige Messe am Freitagabend, die
einzige Werktagsabendmesse. Seit Kolpingveranstaltungen nicht mehr
regelmäßig an diesem Tag stattfinden, ist der Besuch dieses
Gottesdienstes sehr zurückgegangen und hatte oft keine Teilnehmer. Hier
sind weitere Überlegungen bei uns notwendig.
Positiv sind die häufigen Kinderwortgottesdienste zur Zeit des
Gemeindegottesdienstes am Sonntag mit Überleitung in den
Gemeindegottesdienst und die planmäßige und kindgemäße thematische
Gestaltung.
Eine erhebliche Anstrengung bedeutet für uns die drastische
finanzielle Kürzung der Mittel für den Chorleiter durch das Bistum. Wie
an der zweiten Einsatzstelle des Chorleiters in Strehlen haben auch wir
einen Freundeskreis Kirchenmusik ins Leben gerufen und bringen nun den
größten Anteil der finanziellen Mittel selbst auf. Damit sichern wir
nicht nur die musikalische Gestaltung der Sonn- und
Festtagsgottesdienste, auch die mit der Chorarbeit verbundene Kinder-
und Jugendpastoral ist unverzichtbar und ein Grundstein der künftigen
Gemeinde. Verwundert sind wir darüber, dass nach der umfangreichen
Streichung der Mittel in dieser Position der Chorleiter weiter
umfangreich und selbstverständlich für Bistumsaufgaben herangezogen und
eingesetzt wird. Damit finanziert die Gemeinde einen Teil der
Bistumsaufgaben auf diesem Gebiet.
Positiv hat sich die Arbeit mit einem Jahresthema ausgewirkt, z.
B. „Du sollst ein Segen sein“, „Brücken bauen“, „Wege zum Zentrum“. Von
der Altarraumgestaltung über Predigtthemen, der Arbeit der einzelnen
Kreise bis zum gut genutzten Gemeindeeinkehrtag in der Fastenzeit zeigt
sich der Vorteil für die pastorale Arbeit.
Für die Nacht der offenen Kirche und darüber hinaus für die
pastorale Arbeit mit anderen Besuchern wurde ein umfangreicher Text für
Führungen in unserer Kirche erarbeitet und vor allem auch mehrere
Gemeindemitglieder gewonnen, die sich bereiterklärt haben solchen
Führungen zu gestalten. Dabei wird nicht nur das Gebäude erläutert, es
wird die Bedeutung des Raumes für den Gottesdienst und einzelner
Bereiche für den Glaubensvollzug erläutert. Das führt auch immer wieder
zu Gesprächen über den Glauben selbst.
Im gesamten Aufgabenbereich ist auf bestehende und funktionierende Kreise und Aktivitäten hinzuweisen
Organisten, Küster, Ministranten,
Lektoren, Kommunionhelfer, Gottesdienstleiter
Blumendienste, Kirchenreinigung, monatlicher Kirchenkaffee nach dem Sonntagsgottesdienst, Hausmeisterdienst
Mitwirkung am Obdachlosennachtcafé in St. Martin
Kolping, Elisabethkreis,
Anleitung der Vertreter der Familienkreise, gemeinsames Treffen
der Familienkreise zum Erfahrungsaustausch und zur Bildung neuer Kreise
Kindervormittag für Vorschulkinder, Krabbelgruppe, Kinderbetreuung im Gottesdienst und Kreis für Kinderpastoral,
religiöse Kinderwoche und mehrtägige Fußwallfahrt der Kinder
Kinderchöre und integrierte Kinderpastoral, Jugendchor, Gemeindechor
Jugendarbeit
Agape im Anschluss an den Gottesdienst am Gründonnerstag
Autofahrdienst älterer oder gehbehinderter Gemeindemitglieder zu den Gottesdiensten oder Gemeindeveranstaltungen
Die Integration älterer Gemeindemitglieder/ “Jungsenioren“ in einem
eigenen angestrebten Kreis zeigte trotz mehrerer Anläufe nicht den
erhofften Erfolg, wobei einige dieser Gemeindemitglieder oftmals in
anderen Kreisen verankert sind. Hier suchen wir nach neuen Ideen.
Bei der ökumenischen Arbeit konnten die Aktivitäten in der zurückliegenden Zeit erweitert werden. Neben
Bibelwochen
Kreuzweg in den ev. Gemeinden
gemeinsamen Chorveranstaltungen
ökumenischen Gottesdiensten
Bibeltragen mit Schriftlesungen in der Fastenzeit in allen Gemeinden des Territoriums (im Jahr der Bibel)
haben wir nach gründlichen Vorbereitungen im PGR die ev. Gemeinden zu
einem Gottesdienst am Aschermittwoch eingeladen, um gemeinsam die
Fastenzeit zu beginnen. Weil wir schon längere Zeit am Aschermittwoch
eine Eucharistiefeier am Nachmittag haben, kamen wir überein, den
Abendgottesdienst ohne Eucharistie zu feiern, um durch diesen „Mangel“
die beginnende Fastenzeit auch emotional zu betonen (Prause: Passion
und Emotion). Daraus ergab sich dann auch die Idee des ökumenischen
Gottesdienstes. Der darauf erfolgte scharfe Angriff mit der Forderung
einer Eucharistiefeier „zur besten Zeit“ hat uns entsetzt.
Glücklicherweise konnten die Meinungsverschiedenheiten für den
Gottesdienst des Folgejahres beigelegt werden. Wir sind der Meinung,
dass ein ökumenischer Gottesdienst an einem solchen Tage die
Annäherung der Kirchen bewirkt, ohne das Problem des gemeinsamen
eucharistischen Mahles zum Streitobjekt zu machen.
Kirchbau / Kirchenfenster Nach der Ausschreibung eines Wettbewerbes, der Ausstellung der zehn
Entwürfe erfolgten umfangreiche Beratungen, Gespräche und dann die
Entscheidung für den Entwurf von Herrn Morgner. Eine prinzipielle
Zustimmung des Ordinariates liegt vor. Nun muss umgehend die zu
erwartende Zustimmung des Amtes für Kultur und Denkmalschutz eingeholt
werden. - Die entgültige Zustimmung des Ordinariates ist erst dann zu
erwarten, wenn die vollständige Finanzierung gesichert ist. Das ist aus
dem finanziellen Aufkommen der Gemeinde nicht zu erwarten. Deshalb
müssen jetzt Sponsoren angesprochen werden. Dazu ist das vorgesehene
Exposé erforderlich, um die Ziele der Gemeinde für die Gestaltung der
Kirche nach den Plänen von Architekt Paul und Künstler Press, ihre
bisherigen Leistungen beim Umbau der Kirche und die finanzielle
Situation darzulegen. Gleichzeitig sollten die vorgeschriebenen
Verträge mit dem Künstler Morgner und der Ausführungsfirma Derix
vorbereitet werden, um keine Lücken in der Ausführung und
Unsicherheiten in der Finanzierung und im Terminablauf aufkommen zu
lassen.
Elektroakustik-Anlage
Beim Umbau der Kirche wurde auch ein Akustikprojekt von Mitarbeitern
der TU Dresden erarbeitet und die Kirche danach so gestaltet, dass eine
Mikrofon- und Verstärkeranlage nicht erforderlich ist, sofern die
Sprecher (Priester und Lektoren) dem Raum angemessen deutlich und nicht
zu schnell sprechen. Der geringe Nachhall in der Kirche ist
charakteristisch und für die Musikarbeit manchmal schon etwas zu
wenig. Wenn manche Sprecher aber so leise reden, dass es für ein
Zimmer angemessen wäre oder am Ende der Wörter und Sätze die Stimme zu
stark absenken, kann in der Gemeinde nicht alles verstanden werden.
Deshalb wurden auch Vorschläge für den Einbau einer elektroakustischen
Anlage vorgebracht. Das bringt aber auch erhebliche Nachteile für den
Gottesdienst mit sich, wenn alles gesprochene Wort über die Anlage
gehen muss. Auch dafür muss von den Sprechern bezüglich der Lautstärke
und der Deutlichkeit der Sprache ein Mindestmaß verlangt
werden.-
Die erforderlichen Mikrofone für Altar, Priestersitz, Ambo,
Altarraummitte und Fürbittensprecher sind in höchstem Maße störend,
erlauben wesentlich weniger Beweglichkeit in der Kirche und es entsteht
ein deutliches akustisches Missverhältnis zwischen den Akteuren und der
Gemeinde, die dann nicht mehr gleichberechtigt in Erscheinung tritt.
Schon heute ist das spürbar, wenn bei Gottesdiensten mit akustischer
Verstärkeranlage die Regelung der Anlage zu sehr hochgefahren wird.
Nicht nur die Gemeinde, auch der Chor auf der Empore ist dann spürbar
im Nachteil. –
Schon beim Umbau wurde eine Schwerhörigenschleife in der gesamten
Kirche (außer dem Altarraum) verlegt, die den Betrieb einer
Mikrofonanlage gestatten würde. Hier könnte eine kleine Anlage
ausprobiert werden, um Schwerhörigen das Hören zu erleichtern. Für
diesen Fall wurde im PGR schon einmal vorgeschlagen, einen Test
vorzunehmen und die Kosten einer Anlage einzuschätzen bzw.
verbindliche Angebote einzuholen, um eine sachgerechte Entscheidung
treffen zu können. Dieses Problem sollte wieder aufgegriffen werden.
2. Grundsätze für die Arbeit des PGR
Der PGR hat die anstehenden Probleme und Aufgaben auch bei
unterschiedlichsten Standpunkten stets in geschwisterlicher Atmosphäre
beraten und zu Beschlüssen geführt. Soweit sinnvoll und ratsam, wurden
weitere Gemeindemitglieder einbezogen (Fensterkreis, Kirchenrat,
Gemeindeabende, Gespräche in den verschiedenen Kreisen). Diese
Zusammenarbeit hat sich bewährt.
Die Gemeinde ist offen für das kirchliche Leben über die Gemeinde
hinaus. Außer den genannten ökumenischen Aktivitäten sind besonders zu
verzeichnen
Bistumsprojekt „Gemeinde im Aufbruch“, was trotz
unterschiedlicher Aktivitäten nur zögerlich aufgenommen wurden, obwohl
eigene Bestrebungen in dieser Richtung seit längerer Zeit wirksam sind
Bistumswallfahrten und andere zentrale Veranstaltungen werden in die Planung aufgenommen, unterstützt und erfahren Zuspruch
Partnerschaft mit der Gemeinde in Leonberg, die seit vielen
Jahren jährlich zu einem Treffen in Leonberg oder bei uns führt und
vielfältige Gesprächsthemen beinhaltet
Partnerschaft mit der russischen Gemeinde in Wolgodonsk, die von einem eigenen Arbeitskreis unterstützt wird
auf persönlicher Basis beruhende Kontakte zur Arbeit von Pfarrer
Bautz in Cuba und von Barbara Ludewig in Brasilien, auch mit
persönlichen und materiellen Hilfen
Die Gemeinde-Internetseite informiert die Gemeinde und wird
darüber hinaus auch in anderen Gegenden Deutschlands wahrgenommen, wie
Zuschriften zeigen.
Der gemeinsame Fasching mit der St. Martin-Gemeinde stärkt den Zusammenhalt der Nachbargemeinden.
Die Information der Gemeinde und die Zusammenarbeit
Der Jahresplan der Gemeindearbeit wird als Gerüst der kommenden
Arbeit zeitig erstellt und hängt im Vorraum aus. Ein neuer Vorschlag
regt an, diesen Plan am Anfang des Kalenderjahres als Gemeindebrief
allen zukommen zu lassen. Auch die Pläne des Kirchenkaffees, der
Kirchenreinigung, des Obdachlosencafés und anderer bisher separater
Pläne sollen darin aufgenommen werden.
So hoffen wir, die Gemeinde nicht nur besser zu informieren,
sondern auch mehr zu Vorschlägen, zur Mitgestaltung und
verantwortlicher Mitarbeit zu animieren.
Eine seit Jahren immer wieder im Mai veranstaltete
Josefswanderung ist beliebt, führt Gemeindemitglieder aus verschiedenen
Kreisen und Gemeinden zusammen und erreicht auch solche, die nicht in
den Kreisen erfasst sind.
Besondere Begebenheiten im Gemeindeleben waren in der vergangenen Legislaturperiode u. a.
Die Bewältigung der Folgen der Flut im Kirchengelände und bei Gemeindemitgliedern (2002)
Die Feier der Gemeindegründung vor 100 Jahren (2004)
Ausstellung zum 100. Geburtstag von Friedrich Press (2004)
Das Gemeindefest zum Weltjugendtag mit den Gästen aus Italien (2005)
Probleme sind u. a.
die Motivation der Gemeinde für die Vorbereitung und die
Mitarbeit bei größeren Veranstaltungen der Gesamtgemeinde (z. B.
Sommerfest). Hier müssen neue Wege versucht werden.
Die Öffentlichkeitsarbeit, Angebote für Nichtchristen, offene Kirche
3. Resümee
Auf dem Weg von der „versorgten zur sorgenden Gemeinde“ sind wir ein
Stück vorangekommen, haben aber auch in den kommenden Jahren noch
reichlich Aufgaben zu bewältigen, zumal auch die Probleme eher zunehmen
werden. Dazu ist die Mitarbeit vieler Gemeindemitglieder erforderlich.
Unsere Gemeinde mit vielen jungen Familien, vielen Kindern und aktiven
Menschen hat gute Voraussetzungen dafür, ist eine lebendige Gemeinde.
Diese Aktivität gilt es auch auf weiteren Gebieten zu wecken. Dem neuen
PGR wünschen wir gute Ideen, kraftvolle Aktivitäten und dazu Gottes
Segen. Vom Ordinariat wünschen wir uns Anregungen für
gemeindenübergreifende Tätigkeiten und Organisationsformen (z. B. für
Gemeindeverbünde o. ä.), der Hinweis, es gäbe genug Priester, ist nicht
hilfreich und löst die Probleme nicht.