Aus "St. Verena - Zeitschrift für die Frau im katholischen Pfarrhaus", Heft 2 / 2008:
Lasst uns loben, freudig loben...
Wie eine Pfarrhaushälterin die Testphase des neuen Gotteslobs erlebt
Schon seit Jahren ist die Rede davon, dass ein neues „Gotteslob" in
Bearbeitung ist. Inzwischen befindet sich ein Entwurf dieses Gotteslobs
in der „Testphase". Wie sieht das aus, wenn dieses Gotteslob in einer
Pfarrgemeinde getestet wird? Eva Groß, Pfarrhaushälterin in
der Pfarrei St. Josef, Dresden, schildert dies:
Seit 30 Jahren benutzen wir das „Gotteslob" - wir
Pfarrhaushälterinnen fast täglich. Jetzt ist ein neues
Gesangs- und Gebetbuch geplant. Viele Bistümer haben eigene
Anhänge mit lieb gewordenen Texten und Liedern zusätzlich in
die Bücher geben lassen. Manche Liedtexte aber stimmen heute nicht
mehr. Ich erinnere mich an: „Lasst uns loben, Brüder loben" (GL
637). Jetzt singen die einen „Brüder", die anderen schweigen, weil
sie sich als Frauen nicht angesprochen fühlen, die dritte singt
mit Inbrunst statt „Brüder" „freudig". So ist es endlich an der
Zeit, gute Lösungen zu finden, damit der Lobgesang zur Ehre Gottes
wirklich aus dem Herzen kommt.
In den Bistümern wurden einige Pfarreien ausgesucht, die eine
Probepublikation testen dürfen. Als Kriterien galten:
Großstadtgemeinde, Klostergemeinschaft, Gemeinde im
ländlichen Raum, Kirchenmusiker etc. Die Gemeinde St. Josef
gehört zu den Auserwählten vom Bistum Dresden-Meißen.
Der Bischof sagte zu meinem Bruder: „Lieber Mitbruder, du hast einen
jungen, engagierten Chorleiter und Kantor. Bitte übernimm' diese
Aufgabe als Großstadtpfarrei!"
Na klar. Gesagt, getan - einige neue Lieder können wir schon
testen und üben. Ein beauftragter Priester aus dem Bistum reiste
an und erklärte die Aufgaben, die es nun zu erfüllen gibt.
Also mit Arbeit ist es schon verbunden!
1. Eine Steuerungsgruppe muss gebildet werden. Diese sucht 30 aktive
Gemeindemitglieder zu begeistern, möglichst mit
Computer-Erfahrung. Sie dürfen das neue Buch mit nach Hause nehmen
und eifrig drin blättern, beten, lesen und beurteilen.
2. Zehn Familien mit Kindern müssen gefunden werden, die dieses Buch zuhause testen.
3. Notenkundige, meist die Orgelspieler, der Kantor und Chorleiter, erhalten Extra-Fragebögen.
Plötzlich wird die Erprobung eine ernste, aufregende
Angelegenheit. Vom ersten Advent bis zum Pfingstfest dauert die
Testphase.
Zwei Riesenpakete mit den neuen, druckfrischen, grauen Büchern,
wurden geliefert. Sonntags teilen die Ministranten die Bücher aus
und am Ende werden sie wieder eingesammelt. Mitnehmen ist nicht
erwünscht, weil beim nächsten Test sicher einige fehlen. Ein
Schwund ist da bis Pfingsten vorprogrammiert.
Also blättern die Sonntagssänger schnell während der
Heiligen Messe im neuen Buch. Der Prediger muss alle Kräfte
mobilisieren, um die Zuhörer zu erreichen. Schließlich ist
im neuen Buch manches zu entdecken. Der Pfarrer und sein Predigtstil
bleiben ja über Pfingsten hinaus. Interessant: Welche neuen Texte
sprechen mich an, welche Lieblingslieder sind etwa verschwunden.
Hilfreich die einfache Wort-Gottes-Feier als Vorschlag.
Die Sonntagsmesse ist beendet, sie dauerte länger, da neues
Liedgut geübt werden musste. Sind jetzt alle Leute begeistert?
Für Diskussionen ist gesorgt: Englische Texte sind plötzlich
zu lernen. Und das zur Weihnachtszeit! Die Schrift ist schwarz und auch
grau gedruckt, Seitenzahlen sind winzig klein, Messtexte in Deutsch und
daneben in lateinischer Sprache. Das sorgt für ein besseres
Verständnis, wenn der Chor eine lateinische Messe singt. Die
Gemeinde kann mitlesen, was gerade gesungen wird. Wer weiß schon
sofort, was im Gloria „Qui tollis peccata mundi" heißt?
Kurz - die Gemeinde hat mit dem Buchtest eine Aufgabe
übernommen und gibt sich Mühe. Dem geduldigen Chorleiter sei
Dank!
Zuhause lesen, beten, testen die Familien die Texte. Jeder Teilnehmer
bekam einen persönlichen Internet-Fragebogen und füllte
diesen artig aus. Die Verantwortlichen vom Liturgischen Institut in
Trier bekommen alle Hände voll zu tun. Bis zum 20. April erwarten
sie die elektronischen Fragebögen zurück. Da kommt Material
aus allen deutschsprachigen Ländern in Fülle zusammen.
Hin und wieder ist sonntags, in der Gemeinde, Auswertung bzw.
Abstimmung. Jeder Erwachsene bekommt je einen Zettel pro getestetes
Lied. Hier darf jede/jeder seine Meinung durch fünf
Möglichkeiten kundtun. Das Papier wird an der entsprechenden
Stelle eingerissen. Kriterien sind: Melodie gefällt, gar nicht,
sehr gut; Text gefällt, gar nicht oder ich weiß nicht. Nach
dem Gottesdienst werden die Zettel gesammelt, sortiert und
gezählt. „Herrliche Aufgabe" am Sonntagmorgen -
aber ja wichtig! Wer hat eigentlich die gesamte Anzahl der Gottesdienstbesucher gezählt?
Spüren Sie, liebe Leserinnen, wie viele Vorbereitungen es gibt, um ein neues Gesangbuch zu erstellen?
Wir werden wohl noch einige Zeit auf das Ergebnis warten müssen.
Schließlich muss auch in Rom ein Exemplar zur „Prüfung"
vorgelegt werden. Es ist aufregend, dabei mitwirken zu dürfen.
Lassen wir uns überraschen, auch vom Preis des Buches, und freuen
wir uns auf ein neues Gesangbuch für neue geistliche Impulse zu
einem gelungenen, frischen Gemeindeleben.
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