Ausschnitt (thematischer Teil) aus dem Wettbewerb für neue Kirchenfenster in St. Josef Dresden-Pieschen

Terminübersicht zum Wettbewerbsablauf
  • Versand der Wettbewerbsunterlagen
06.11.2002
  • Rückfragekolloquium
25.01.2003
  • Abgabe der Wettbewerbsarbeiten
31.03.2003
  • Jurysitzung
7. bis 15.04.2003 (den konkreten Termin legt die Jury fest)

Angaben zum Gebäude und zu den vorhandenen Stahlfenstern

Die Kirche ist in ihrer ursprünglichen Fassung ein Bau im Dresdner Jugendstil. Sie wurde 1908 erbaut. 1910 wurden der Turm und der Verbindungsbau zwischen Turm und Kirche ergänzt. Das äußere Bild der Kirche entspricht, abgesehen von leichten Veränderungen durch die Restaurierung, im Wesentlichen auch heute noch dem Stand von 1910. Im Innern ist die Bauzeit der Kirche nicht mehr zu erkennen. Hier wurde eine umgreifende Neugestaltung vorgenommen. 1969 erhielten der Künstler Friedrich Preß und der Architekt Hubert Paul den Auftrag zur Umgestaltung. Vor 25 Jahren war der Innenraum in seiner heutigen Gestaltung fertig gestellt. Dem Betrachter bietet sich ein rundes, geschlossenes Bild eines modernen Kirchenraums. Hier hat sich die Gemeinde eingelebt. Der Kirchenraum ist ein Teil von ihr geworden. Der Innenraum ist fertig gestellt – dennoch blieben im Wesentlichen zwei Details unvollendet.

14.1 Die Emporengestaltung:
Dazu gibt es bereits konkrete Vorstellungen von Friedrich Preß. Er hatte die Darstellung des Lebens Jesu in einzelnen Szenen in Beton vorgesehen. Ein Modell im Maßstab 1:10 hat der Künstler schon gefertigt; es befindet sich in der Gemeinde. Eine Kopie ist dieser Aufgabenstellung beigefügt.
Das Betonrelief zeigt auf der linken Seite (Blickrichtung zum Altar) den Beginn des Weges Jesu in dieser Welt mit seiner Geburt. Hinter einer Futterkrippe mit dem Kind stehen zwei Menschen, einer mit Hörnern, der andere mit Eselsohren. Herr Preß sagte dazu: "Weil wir noch heute wie Ochs und Esel dastehen und das Ereignis nicht begreifen". Auf der rechten Seite endet der Lebensweg Jesu mit der Darstellung von elf Männern, die nach oben blicken und damit die Aufnahme Jesu in den Himmel andeuten.
Eine spätere Ausführung des Entwurfs ist nicht ausgeschlossen.

14.2 Die Fenstergestaltung:
Bis auf Oberlichter in der Apsis hat die Kirche nur Seitenfenster. Diese Seitenfenster sind zur Zeit eher praktisch als gestalterisch anspruchsvoll. Es sind insgesamt acht Fenstergruppen mit je drei Fenstern.
Friedrich Preß hat zum Thema Fenster einmal sinngemäß geäußert, daß es eine hoch anspruchsvolle Aufgabe sein werde, für diesen Raum eine adäquate Fenstergestaltung zu finden. Derzeit gibt es keine Entwürfe zur Fenstergestaltung.

Die Gemeinde hat sich entschieden, als nächstes großes Projekt die Fenstergestaltung zur Realisierung zu bringen. Diesbezüglich hat man sich auf folgende Punkte geeinigt:

Konzeption

Alle Fenster sollen zusammenhängend gestaltet werden und dabei die Altarraumgestaltung des himmlischen Jerusalems aufnehmen. Die Glasgestaltung muß sich in die strenge Architektur einfügen, darf den Raum nicht dominieren, der für die Eucharistiefeier und durch sie bestimmt ist. Die Fenstergestaltung soll sich auch in der Aufwendigkeit an die vorhandenen Materialien (roher Beton, unverputzte gekalkte Ziegel und fast unbehandeltes Holz) anschließen, zumal aufwendige Fenster für die Gemeinde nicht bezahlbar sind. Die Fenster sollen den Raum nach außen offen halten, d. h. die Durchsicht soll in hohem Maße erhalten bleiben.

Der Kirchenraum ist bereits relativ dunkel. Bei der Gestaltung sollte eine weitere Verdunklung vermieden werden. Überwiegend transparente und großteilige Flächen sind anstrebenswert. Die Farbgestaltung sollte dezent sein, wobei Pastelltöne damit nicht als Vorzugslösung gelten. Die Fenster der Werktagskapelle sollen in die Gesamtgestaltung einbezogen werden.

Technische Daten
Für die Gestaltung sollte beachtet werden, daß die rechte Seite der Kirche die Nordseite ist und von der Sonne nicht erreicht wird. In der Kirche gibt es insgesamt acht Fenstergruppen mit je drei Fenstern. Jedes Fenster besteht aus drei Scheiben, wobei alle 16 äußeren Fenster der Gruppen unten einen Lüftungsflügel haben (kleinere Scheibe). Gegenwärtig sind zwei einzelne Glasscheiben mit Dichtkitt und Metallhalteschienen befestigt. Diese Scheiben und die zwischen den Scheiben befindliche Halteschiene werden entfernt und eine Thermoscheibe eingesetzt. Die zweite Halteschiene soll zur Befestigung der gestalteten Glasscheibe dienen, wenn diese von der Raumseite direkt an die Thermoscheibe angelegt wird. Die Dicke der Thermoscheibe wird sich nach dem Platzbedarf für die gestaltete Glasscheibe richten, da das Maß vom Anschlag im Fenster bis zur inneren Seite der verbleibenden Halteschiene mit 36 mm festliegt. Angestrebt wird eine Thermoscheibe 4/16/4. Die Glaswerkstatt muß den maximalen Platzbedarf für die gestaltete Scheibe und ihre Befestigungsweise angeben.

Die baulich/technische Einteilung der Fenster soll erhalten bleiben, ebenso wie die Lüftungsflügel.

Inhaltliche theologische Vorgaben
Zur Konzeption und Aufgabenstellung der Kirchenfenster der Pfarrkirche St.Josef


Kirchenfenster und ihre inhaltliche Gestaltung lassen sich nur verwirklichen, wenn der gesamte Kirchenraum mit einbezogen wird.

These: "Eine christliche Kirche ist wesentlich ein sakraler Raum." (Josef Pieper)

Unter sakral versteht er die Grenze gegenüber dem werktätigen (werktäglichen) Betrieb und die prinzipielle Ausschließlichkeit  der Bestimmung für den kultischen Zweck. Seit den achtziger Jahren wird das Sakrale wieder neu entdeckt und will auch erfahren werden. Ein Hauch von Ewigkeit wird deutlich ersehnt, da die Endlichkeit auch als Bedrohung vor Augen steht. (Baulich findet diese Einstellung ihren Niederschlag, daß Kirchen als "Mehrzweckräume" praktisch nicht mehr gebaut werden.)

Christliche Gemeinde ist zur eschatologischen Vollendung unterwegs:
"Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir; bis du kommst in Herrlichkeit".

Früher wurde dies durch Gemälde im Altarraum unterstrichen; zumal auch die Liturgie in der gleichen Richtung geflossen ist. Das hat sich geändert durch die Zelebrationsrichtung versus populum.

Kirche ist im heutigen Gefühl der Menschen Ereignisraum, der Räume planen will, die nicht dem Plan der Menschen unterworfen sind und nicht von ihm besetzt sind. (Unsere Kirche: Altarraum mit der Thematik des Himmlischen Jerusalem mit den 12 Toren und den 18 Gesichtern und dem himmeloffenen Dach.)

Kirche ist auch Erwartungsraum. Sie will nicht festlegen, sondern will Spielraum des Glaubens sein. "Der Geist weht, wo er will." Trotzdem will Gott Wohnung nehmen inmitten der Gemeinde. Gott will und darf von der Gemeinde in vielfacher Form auch erfahren werden.

Darum: Kirche ist auch Erfahrungsraum, in dem Menschen ihre Erfahrungen einbringen und im Licht des Evangeliums deuten können (spirituelle Dimension). So könnte Kirchenraum Raum zur gottesdienstlichen Versammlung und privaten Sammlung, schützende Hülle und auch offene Stelle im Gedränge und in der Rastlosigkeit der Welt sein.

"Du hast mir RAUM geschaffen, als mir ANGST war."  (Psalmzitat)

Dazu könnten die Fenster und ihre Gestaltung helfen.

Thematik:
Offb. 21
Gottes Wohnen unter den Menschen
Offb. 22,1
"Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens..."
Offb. 22,5
"Es wird keine Nacht mehr geben, sie brauchen weder das Licht einer Lampe, noch das Licht der Sonne. Der Herr wird über ihnen leuchten."
Offb. 22,4
"Sie werden sein Angesicht schauen."

Thema
Nach eingehender Beratung hat sich die Gemeinde auf folgendes Thema geeinigt:

Das himmlische Jerusalem (Off 21, 10-27)

Friedrich Preß hat diesem Thema bereits im Altarraum Gestalt gegeben. Hier sind die zwölf Tore 1978 aus Off 21, 10-27 thematisch verarbeitet worden. Eine Fortsetzung der Interpretation dieses Themas in den Fenstern stellt sich die Gemeinde als Bereicherung vor. Die Beschreibungen des himmlischen Jerusalems ist derart reich an Bildern, daß sich eine Fortsetzung des Themas anbietet.

Das Licht, das von Gott ausgeht, ihn symbolisiert, vom himmlischen Jerusalem her strahlt, ist hell und durchdringt unsere Wirklichkeit (Joh 1,1 -10). Deshalb legt die Gemeinde großen Wert auf eine insgesamt helle Gestaltung des Kirchenraumes. Das himmlische Jerusalem ist Ziel und Hoffnung eines jeden Christen. Friedrich Preß hat den Altar in die Mitte des Altarraumes gestellt; die gegenwärtige Gemeinde ist mit denen, die vor uns waren und nach uns kommen um den Altar versammelt. Auch die Gestaltung der Fenster sollte diese Hoffnung und die Haltung der Gemeinde in „ihrem“ Raum zum Ausdruck bringen. Um dem Raum zu entsprechen, sollte Abstand von allzu konkreten figürlichen Darstellungen genommen werden. Zum anderen sollte dem Betrachter das Werk nicht verschlossen bleiben.

Dresden, am 4. November 2002